Analysemethoden / Forschung

Die Untersuchung von Streichinstrumenten erfolgt bei mir ausschließlich nicht invasiv. Ebenso wird in jedem Moment möglichst schonend mit dem Instrument, großteils sogar ohne Kontakt gearbeitet. Mein Hauptwerkzeug für diese Untersuchungen ist eine hochauflösende Digitalkamera, die durch ihre Einstellungsmöglichkeiten über das menschliche Sehvermögen hinaus geht und Visualisierungen erzeugt.

Die nun folgenden Vergleichsbilder wurden mit einundderselben Violine (David Tecchler, Rom, 1722) in unterschiedlichen Licht-Spektren erstellt.

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UV-Licht (320- 400nm)

links: Tageslicht (VIS); rechts: UV-Licht 

Die in der Branche am meisten verbreitete Licht-Analysemethode, mit der Lack- und Oberfläche bei Streichinstrumenten untersucht wird, ist im ultravioletten Bereich zwischen 320- 400nm. Der geübte Betrachter kann durch das Bild der entstandenen Fluoreszenzen Retuschen und andere Hinzufügungen vom Original unterscheiden. Diese Untersuchung stellt die Basis einer umfangreichen Analyse mit Licht dar.

 

Cyan-Licht (490 nm)

links: UV-Licht; rechts: Cyan-Licht

Im Artikel der Publikation „Antonio Stradivari `Barjansky` Cello“ (Jost Thöne Verlag 2021) habe ich zusammen mit Prof. Dr. Martin Bek eine weitere wichtige Wellenlänge zur Untersuchung von Streichinstrumenten vorgestellt. Sie kann zusätzliche, wichtige Informationen über den Lackzustand liefern. Das Licht liegt bei 490 nm Wellenlänge (Cyan- Licht) und lässt, vereinfacht erklärt, den originalen (Farb-) Lack des Instruments fluoreszieren. Die Eigenschaften dieser dort entstehenden Fluoreszenzen sind um ein Wesentliches transparenter, also weniger deckend als im UV- Licht. Es ist also möglich, auch unter Hinzufügungen und Retuschen noch originalen Lack zu identifizieren. Für eine geplante Restaurierung kann dies ein wichtiger Baustein sein.

Da die Beschäftigung mit dieser Wellenlänge noch sehr jung ist, kann momentan noch nicht genau definiert werden, welcher Stoff oder welche Stoffmischung genau diese Fluoreszenzen auslöst. Es gibt aber Hinweise darauf, dass es sich um die Öle im Lack handeln könnte.

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Blau-Licht (460 nm) mit optischem Filter

links: Cyan-Licht; rechts: Blau-Licht

Da bei der Wellenlänge 490nm manche relevanten Fluoreszenzen wie beispielsweise die von Überzugslacken weniger stark ausprägt sind, kann ein weiteres, kurzwelligeres Licht bei 460nm (Blau- Licht) ebenso interessant sein. Hierfür wird dann ein spezieller Langpassfilter (500nm) für die Kamera verwendet. Besonders ist bei dieser Wellenlänge, dass man eher unklare Bereiche, die im UV- oder Cyan- Licht ähnlich wie der Originallack oder undefinierbar anders fluoreszieren, besser durch den Vergleich definieren kann.

 

Infrarot-Licht (Auflicht, 940nm)

links: Tages-Licht; rechts: Infrarot-Auflicht

Die Untersuchung mit dem für das menschliche Auge unsichtbaren Infrarotlicht ist besonders bei der Untersuchung von Gemälden von großem Wert. Mit dem richtigen dafür bestimmten Equipment können Untermalungen sichtbar gemacht werden. Das hilft natürlich sehr beim Verständnis, wie das Bild entstanden ist und liefert viele verborgene Details.

Bei Streichinstrumenten kann dies ebenso interessant sein. Gerade Retuschen, Patina und manche Hinzufügungen sind deutlicher zu erkennen. Ein Blick in tiefer liegende Schichten wird aber nicht oder nicht im erhofften Maße erreicht.

Die Analysen im Infrarotlicht und in anderen spektralen Wellenbereichen werden bei der Kunstanalyse normalerweise im Auflicht auf das Objekt projiziert. Wie Sie bei der nächsten Untersuchungsmethode nun sehen werden ist dies mit diesem Licht aber auch anders umsetzbar.

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IR-Scan (Infrarot- Durchlicht, 940nm)

links: Tages-Licht; rechts: Infrarot-Durchlicht

Wegen der starken Durchlässigkeit des Holzes für Infrarotlicht ist auch ein anderer (als in vorherig beschreibender IR-Untersuchungsmethode), eher unkonventioneller Aufbau der Lichtquelle und Kamera möglich und sinnvoll. Ich platziere die Lichtquelle im Korpus-inneren und fotografiere mit einer multispektralen, Infrarot-aufnahmefähigen Kamera von außen, so dass ein Bild entsteht, das noch am ehesten einer Röntgenaufnahme ähnelt. 

Beschädigungen wie Risse, Brüche, Wurmschäden, innen aufgeleimte Belege, Futter, die Position von Bassbalken und Stimmstock sowie Wuchsformen des Holzes sind mit diesem „Infrarot-Scan (IR- Scan)“ fantastisch sichtbar.

Diese Methode wurde von mir im Fachmagazin TheStrad (Mai 2022) publiziert.

Sollten Sie sich gerade in einem Kaufprozess befinden und sich vergewissern wollen, ob der Zustand ihren Erwartungen entspricht, eignet sich diese Methode hervorragend. Durch die verhältnismäßig geringen Kosten gegenüber einem ebenso sinnvollen CT- Scan lohnt sich solch eine Untersuchung bereits schon ab einem Wert des Instruments von etwa 10.000 Euro.

 

Dendrochronologische Untersuchung

Durch die Zusammenarbeit mit international anerkannten Dendrochronologen ist es auch in meiner Werkstatt möglich, eine dendrochronologische Untersuchung des Deckenholzes (Fichte) vorzunehmen. Von mir werden die dafür benötigten hochauflösende Bilder der Decke von Ihrem Instrument erstellt und an die Spezialisten (z.B. Arjan Versteeg) weitergeleitet. Das Ergebnis wird dann entweder mündlich mitgeteilt oder auf Wunsch ein Gutachten dazu erstellt. 

Besonders reizvoll ist diese Untersuchungsmethode, da sie eine der ganz wenigen objektiven naturwissenschaftlichen Untersuchungen in der Streichinstrumentenanalyse ist. Sie erhalten in der Regel das Ergebnis des Alters des Deckenholzes  sowie Korrelationen mit anderen Messungen aus der umfangreichen Datenbank der Kollegen. 

Genauso wie der IR- Scan ist diese Untersuchung bei einem Ankauf bzw. Verkauf sehr zu empfehlen, um Überraschungen zu vermeiden.

Die mit dieser Technik erstellten Wölbungslinien sind genau so präzise wie ein CT-Scan

Dokumentation von Wölbungsverläufen

Die Konturen der Wölbungen von Decke und Boden klanglich und historisch wertvoller Streichinstrumente abzunehmen ist ein wichtiger Teil bei der Dokumentation und kann z.B. Veränderungen am Instrument nachweisen. 

Die von mir in der Monograpie „Antonio Stradivari `Barjansky` Cello“ erstmals vorgestellte hierfür verwendete Methode basiert auf einem Laserstrich, der auf die zu vermessende Wölbung im rechten Winkel projiziert wird und einer Digitalkamera, die auf einem Balgengerät montiert wurde. Die Bildebene der Kamera wird parallel zu der Projektionsrichtung der Laserlinie positioniert und so diagonal von oben ausgerichtet, dass der Blick auch auf Bereiche des Mittelbügels möglich wird.

Trotz des schräg gewählten Blickwinkels auf das Instrument wird die durch den Laser angezeigte Wölbung bei dieser Technik verzerrungsfrei angezeigt. 

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Artikels.